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Pressemitteilung der Verbraucherzentrale Saarland

12.01.2006
Mehr erneuerbare Energien statt Atomenergie
Was wir brauchen, ist ein Energiekonzept, das langfristig orientiert und nachhaltig ist.

Viele Verbraucher sind verunsichert und verärgert über die hohen Strom- und Gaspreise. Sie fühlen sich abhängig von einer mächtigen Energiewirtschaft, aber auch vom Ausland, das über entsprechende Energieträgervorkommen verfügt und seine monopolistisch geprägte Marktstellung bei der hohen weltweiten Energienachfrage offensichtlich ausnutzt. Auch die Heizölpreise liegen auf hohem Niveau.

Angesichts dieses Szenarios bringen manche Politiker die Atomenergie wieder ins Gespräch. Auf den ersten Blick mag dies vielleicht sinnvoll erscheinen, aber es gibt eine Reihe von Argumenten, die dagegen sprechen:
• Atomkraftwerke, auch die mit hohem deutschem Sicherheitsstandard, haben ein Restrisiko. Bei weltweit ca. 440 Kernkraftwerken kommt es statistisch gesehen alle 25 Jahre zu einem Kernschmelzunfall. Als Folge würden viele Menschen sterben und ganze Landstriche wären für hunderttausende von Jahren unbewohnbar. Jede Wirtschaftlichkeitsrechnung wird damit zunichte gemacht. Mit Tschernobyl und Harrisburg standen wir damals kurz vor einer solchen Katastrophe.
• Atomkraftwerke können Ziele von terroristischen Angriffen sein. Die Folgen für die Bevölkerung wären verheerend.
• 2030 stehen wir vor einem Berg von 250.000 Kubikmetern strahlendem Atommüll, für den es keine verantwortlich lösbare Endlagerung gibt. Nicht bedacht werden auch die gigantischen Kosten für die Castor-Transporte von 25 bis 50 Millionen Euro pro Transport und die Gutachterkosten von mehreren hundert Millionen Euro für die Entscheidung über den Endlagerort. Diese Kosten werden vom Steuerzahler getragen.
• Atomenergie macht abhängig, denn Uran muss zu hundert Prozent importiert werden. Dabei ist der Blick insbesondere auf Länder außerhalb der EU gerichtet. Was viele auch nicht bedenken ist, dass Uran mindestens ebenso rasch zu Ende geht wie Erdöl. Je nach Verbrauch wird von Uranvorkommen mit einer Reichweite zwischen 20 und 60 Jahre ausgegangen.

Wer glaubt, mit Atomenergie teures Erdgas zu ersetzen, übersieht die Tatsache, dass Gas weitgehend zum Heizen genutzt wird, Atomenergie aber nur zur Stromgewinnung dient.

Was wir brauchen, ist ein Energiekonzept, das langfristig orientiert und nachhaltig ist. Es soll sicher und umweltfreundlich sein, eine große Versorgungssicherheit bieten, preiswert sein und unabhängiger machen.
Die Lösung ist einfach: erneuerbare Energie, Energieeffizienz, und Energiesparen.

Langfristig brauchen wir die Atomenergie nicht. Denn sie kann vollständig durch regenerative Energiegewinnung ersetzt werden. Das ist durch eine Reihe von Studien, realistisch belegt (nachzulesen unter www.eurosolar.org).

Die Umstellung wird jedoch nicht von heute auf morgen möglich sein, aber wir müssen jetzt schon damit anfangen, den Weg für die Energiewende frei zu machen.
In der Übergangszeit wird es einen Energiemix geben müssen bei dem die fossilen Energieträger wie Öl, Gas und die heimische Kohle durchaus noch eine Rolle spielen werden. Aufgrund ihrer begrenzten Vorkommen müssen sie aber konsequent und zügig durch Sonne,- Wind-, Wasser- und Biomasse ersetzt werden. Parallel gilt es, die unterschätzten Potenziale des Energiesparens zu nutzen und Energie effizienter zu nutzen, wie zum Beispiel mit der Kraft-Wärme-Kopplung.

Hohe Kosten für eine Gas- oder Ölheizung können Verbraucher durchaus senken:
Einerseits durch den Einbau einer Kollektoranlage oder einer Pelletheizung und andererseits durch Energieeinsparmaßnahmen wie einer guten Wärmedämmung.
Hohe Stromkosten lassen sich durch geringeren Stromverbrauch reduzieren.
Hier sind Bürger und Verbraucher in erster Linie beim Kauf energiesparender Geräte als auch in ihrem Verhalten gefordert. Die stand-by-Verluste sind immer noch zu hoch. Zudem besteht im Gegensatz zum Gas auch die Möglichkeit, durch Wechsel des Stromanbieters oder des Stromtarifes zu sparen.

Handeln ist auf vielen Ebenen gefragt. Die Verbraucherzentrale des Saarlandes e. V. bietet daher für Verbraucher eine unabhängige Energieberatung an, in der kompetente Fachleute über den Einsatz regenerativer Energien informieren und auf Energiesparmaßnahmen hinweisen. Die Beratung findet in 12 Gemeinden und Städten des Saarlandes statt.

Denn Energiesparen heißt, für sich ein Stück Unabhängigkeit von äußeren Interessen zu schaffen.
Informationen über Beratungsorte und Termine gibt es bei der Verbraucherzentrale des Saarlandes e. V. , Trierer Straße 22, 66111 Saarbrücken. Tel. 0681 / 50089 – 0 oder www.verbraucherzentrale-saarland.de.


Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung wiedergibt.


Dieses Dokument ist aus dem Internet-Auftritt der
Verbraucherzentrale Saarland e.V., Haus der Beratung, Trierer Str. 22, 66111 Saarbrücken
Sie finden es im Internet unter: http://www.vz-saar.de/link237052A.html