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Pressemitteilung der Verbraucherzentrale Saarland

01.02.2008
Ökostrom ist nicht gleich Ökostrom
Saarbrücker Zeitung Lesertelefon zum Thema Ökostrom am 21.01.08

Ökostrom ist nicht gleich Ökostrom

Diskussionspartner/Experten:

Prof. Dr. Uwe Leprich, HTW (Hochschule für Technik und Wirtschaft)
Gertrud Truar, Verbraucherzentrale des Saarlandes

Fragen und Antworten

Frage 1:
In den letzten Tagen konnte man überall lesen, dass Ökostrom nicht gleich Ökostrom ist. Worin liegen die Unterschiede?

Antwort 1:
Der Ökostrom, den wir für unterstützenswert halten, bewirkt einen zusätzlichen Beitrag zum Klimaschutz. Es werden dadurch neue Ökokraftwerke errichtet, z.B. Solaranlagen, Windräder, Wasserkraft. Die Kraftwerke bei diesen Ökostromangeboten sind höchstens 6 Jahre alt oder wurden in den letzten 6 Jahren zugunsten des Umweltschutzes umfassend saniert. Kunden können sich an den beiden Label orientieren: „ok-power-Siegel“ und „Grüner Strom Label“.
Bei anderen Ökostromangeboten werden vorwiegend große Wasserkraftwerke vermarktet, die es schon seit Jahrzehnten gibt und die stets schon wirtschaftlich waren. Dabei entsteht kein unmittelbarer, direkter Zusatzgewinn für die Umwelt und das Klima.

Frage 2:
Warum kann Ökostrom auf der Basis von Wasserkraftwerken nicht generell als „echt“ ökologisch angesehen werden?

Antwort 2:
Das kann man am besten an folgendem Beispiel erläutern: Norwegen erzeugt bislang seinen gesamten Strom aus Wasserkraft. Verkaufen die Norweger nun beispielsweise 20 % ihres Wasserstroms nach Deutschland, muss diese Strommenge durch anderen Strom ersetzet werden. Dies ist dann Strom aus Kohle- und Atomkraftwerken, der in Deutschland erzeugt wird. Durch diesen „Stromtausch“ werden keine zusätzlichen CO2-Emissionen vermieden. Eine vermehrte Nachfrage nach Ökostrom kann daher allenfalls langfristig zu zusätzlichen Investitionen in Ökokraftwerke führen, da das bereits bestehende Wasserstromangebot in Europa relativ groß ist.

Frage 3:
Welche Firmen liefern „echten“ Ökostrom?

Antwort 3:
Neben den vier großen Ökostromanbietern Lichtblick, Greenpeace energy, EWS Schönau und Naturstrom AG sind aktuell noch wenige weitere Versorgungsunternehmen mit den empfehlenswerten Siegeln „ok-power-Label“ und „Grüner Strom Label“ ausgezeichnet. Hinweise auf die Auszeichnung mit einem dieser Siegel findet man in den Werbebroschüren der Anbieter und im Internet. Auch die Verbraucherzentrale kann hierüber Auskunft geben. Wichtig ist auch, seinen eigenen Versorger anzusprechen, ob er Tarife mit solchem „echten“ Ökostrom hat und von ihm diese Siegel einfordern.

Frage 4:
Ich habe eine Nachtspeicherheizung und würde dafür gerne echten Ökostrom beziehen. Ist das möglich?

Antwort 4:
Da die Nachtspeicherheizung das mit Abstand klimaschädlichste Heizsystem ist, wäre die sinnvollste Maßnahme sicherlich ihr rascher Austausch. Dazu wird es aller Voraussicht nach noch im Laufe des Jahres ein Förderprogramm der Bundesregierung geben, das die Finanzierung erleichtert. Kommt ein solcher Austausch nicht in Frage, gestaltet sich ein Versorgerwechsel mit dem Ziel, zumindest Ökostrom einzusetzen, äußerst schwierig, da es sich hierbei um einen für den Anbieter wenig lukrativen Sondervertrag handelt. Dies kann mit erheblichen Mehrkosten verbunden sein.


Frage 5:
Wie schwierig ist ein Stromvertragswechsel?

Antwort 5:
Das geht ganz einfach. Man braucht sich entweder einen echten Ökostromanbieter oder bei seinen Versorger einen echten Ökostromtarif herauszusuchen. Von diesem lässt man sich das Angebot zusenden oder lädt es sich aus dem Internet. Den Vertrag unterschreibt man und erteilt mit der Unterschrift Vollmacht für die Kündigung beim alten Versorger oder alten Tarif. Beim Anbieterwechsel: ca. 3 Wochen nach dem Versand des unterschriebenen Antrags erhält man Post vom neuen Versorger mit dem Hinweis, wann der Wechsel stattfindet und dass man zu diesem Zeitpunkt zur Kontrolle auch selbst den Zählerstand notieren kann.

28.01.08

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung wiedergibt.


Dieses Dokument ist aus dem Internet-Auftritt der
Verbraucherzentrale Saarland e.V., Haus der Beratung, Trierer Str. 22, 66111 Saarbrücken
Sie finden es im Internet unter: http://www.vz-saar.de/link432501A.html