Letzte Woche stand in der Bahnhofstraße in Saarbrücken ein VW Golf VI, den es angeblich als Hauptgewinn zu gewinnen gab. Wie zu beobachten war, füllten zahlreiche Passanten den Teilnahmeschein aus. Hier wurden neben dem Namen und der Adresse auch die Telefonnummer, die E-Mail-Adresse und das Geburtsdatum abgefragt. Was steckt wirklich dahinter?
Zum einen relativiert sich der vermeintliche Hauptgewinn des Autos bei genauer Lektüre des Teilnahmescheins und der Teilnahmebedingungen. Den ausgestellten Golf IV gibt es lediglich für ein Jahr zur Nutzung bei einer jährlichen Laufleistung von 18.000 km. Bei Mehrkilometern entstehen weitere Kosten. Auch müssen die Gewinner laut den Teilnahmebedingungen, die Kosten für die Abholung, Steuern, Versicherung und die Betriebskosten tragen.
Weitaus interessanter ist aber der ausgewiesene Punkt 2 des Gewinnspiels. Hier heißt es sinngemäß, dass man bei Teilnahme an diesem Gewinnspiel ab dem 01.10.10 gratis und für einen Monat an ca. 50 weiteren Sonderverlosungen teilnehme, bei denen es zahlreiche Geld- und Sachpreise zu gewinnen gäbe. Nach Ablauf des Gratismonats sollen monatliche Teilnahmegebühren in Höhe von 8,- EUR anfallen bei einer Laufzeit von 24 Monaten. Details finde man in den Teilnahmebedingungen, die im Auto ausgehangen waren.
"Die Teilnahmebedingungen haben wir angefordert und liegen uns vor. Wir sind uns sicher, dass die meisten Verbraucher keine Ahnung haben, auf was sie sich hier eingelassen haben." so Yvonne Schmieder von der Verbraucherzentrale des Saarlandes e.V. "Immer wieder warnen wir davor, nicht leichtfertig die Daten preiszugeben und am besten die Finger von Gewinnspielen zu lassen. In diesem konkreten Beispiel werden sich viele Verbraucher wundern, wenn ihnen im nächsten Jahr Rechnungen zugehen. Ganz abgesehen von der Werbung, die zu erwarten ist. Schließlich dienen diese Gewinnspiele in vielen Fällen dem Adresshandel, ein Millionengeschäft. Einfacher können es Verbraucher den Unternehmen nicht machen, wenn sie – wie vorliegend der Fall – mit der Teilnahme ihr Einverständnis erklären, dass ihre Daten an Kooperationspartner weitergeleitet werden."
Falls die Teilnahme an den weiteren Gewinnspielen nicht gewünscht sei, solle man das entsprechende Feld durchstreichen, so formulieren es die Verantwortlichen dieser Werbeaktion. Ein Sonderkündigungsrecht stehe den Teilnehmern ebenfalls zu. "Wir fragen uns, wie die Verbraucher diesen Nachweis führen sollen bzw. ist fraglich, ob die meisten Verbraucher diesen Passus überhaupt gelesen haben. Nachdem man seine Daten ausgefüllt hat, wanderte dieser Hinweis auf der Rückseite des Teilnahmescheins nämlich in das vermeintlich zu gewinnende Auto. Das dürfte spätestens im nächsten Jahr eine Welle an Beschwerden bei uns bedeuten, wenn die Verbraucher schon längst vergessen haben, wie freizügig sie im September 2009 ihre Daten kundgetan haben." so Schmieder
Weitere "umfassende Informationen" sollte man auf einer Internetseite finden, die jedoch nicht abrufbar ist, wie eine aktuelle Überprüfung ergab.. Schmieder führt aus, dass auch dieser Umstand für sich spricht und nichts Gutes ahnen lässt.
"Tagtäglich beschweren sich zahlreiche Verbraucher bei uns über Telefonwerbung oder Gewinnmitteilungen im Briefkasten. Teilweise buchen diese Firmen dreist vom Konto der Verbraucher ab. In vielen Fällen ist es sogar so, dass die Verbraucher mit umfangreichen Ordnern von 20 und mehr Gewinnspielanbietern als potentiellen Vertragspartnern bei uns vorstellig werden und um Hilfe ersuchen. Fast in allen Fällen ist es so, dass diese Verbraucher irgendwann (dies kann Jahre her sein) an einem Gewinnspiel teilgenommen haben. Nun erhalten Sie von fremden Firmen Post, die auf Zahlung bestehen, obwohl es nie einen Vertragsschluss gegeben hat. Die Daten wurden offensichtlich weiterverkauft." erklärt Schmieder.
Abermals gibt die Verbraucherzentrale folgende Tipps:
1. Oberstes Gebot: Datensparsamkeit!
2. Nicht bei jeder Gewinnspiel- oder Rabattaktion teilnehmen!
3. Der Weitergabe von Daten zu Werbezwecken widersprechen.
4. Eintrag in Robinsonliste.
5. Streichung der persönlichen Daten in Telefon- und Branchenbüchern.
Weitere Informationen erhält man in den Beratungsstellen der Verbraucherzentrale des Saarlandes oder unter www.vz-saar.de.
Saarbrücken: 0681 / 50089 – 0
Dillingen: 06831 / 97 65 65
Merzig: 06861 / 54 44
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