In den ersten Wochen dieses Jahres hat das Klimateam der Verbraucherzentrale des Saarlandes e.V. landesweit insgesamt 150 Personen nach ihren Mobilitätsgewohnheiten befragt. Ziel der Befragung war weniger die Formulierung repräsentativer Aussagen zum Mobilitätsverhalten als vielmehr die Untersuchung der individuellen Bedürfnisse und Gewohnheiten. Diese Stichprobendatenbasis kann dabei helfen, Lösungsansätze für eine umwelt- und klimaverträglichere Verkehrsgestaltung zu entwickeln. Etwa die Hälfte der Befragten kam aus dem Kernbereich der Landeshauptstadt Saarbrücken, die andere Hälfte aus den eher ländlichen Gebieten im Saarland.
Bereits 2009 hatte das Statistische Landesamt Rheinland-Pfalz festgestellt, dass bei der Dichte an Privat-PKW das Saarland den Spitzenplatz einnimmt. Entsprechend fiel auch die Befragung der Verbraucherzentrale Saarland aus: von allen Befragten gaben etwa zwei Drittel an, ein Auto zu besitzen. Interessant ist dabei der Sachverhalt, dass die Autodichte einem Land-Stadt-Gefälle zu unterliegen scheint; während in Saarbrücken-Stadt laut eigener Auskunft nur jeder Zweite ein Auto besitzt, gab fast jeder Befragte im ländlichen Raum an, im Besitz eines PKW zu sein. Gleichzeitig offenbarte auch die Frage nach der jährlichen Kilometerleistung, dass auf dem Land das Auto fast doppelt so häufig zum Einsatz kommt wie in der Stadt.
Aber auch wenn das Autofahren im Saarland sich besonderer Beliebtheit erfreut, machten immerhin 80% aller Befragten die Angabe, ein Fahrrad ihr Eigen zu nennen. Sind die Saarländer also doch eher ein Volk der Fahrradfahrer? Der hohe Fahrradbestand relativiert sich, wenn man genauer hinschaut, ob und wann dieses Verkehrsmittel denn überhaupt genutzt wird: so kommt nur für ein knappes Drittel der Angesprochenen das Fahrrad für den Einkauf oder für den Weg zur Arbeit/Schule zum Einsatz. Umgekehrt fühlt sich eine überwältigende Mehrheit der Befragten auf das Auto angewiesen: deutlich mehr als die Hälfte der ländlichen Saarländer nutzen ihren PKW regelmäßig zum Einkauf. Offenbar steht in den meisten saarländischen Haushalten das Fahrrad also im Keller oder in der Garage und wird bestenfalls zu Freizeitaktivitäten genutzt. Man sollte also zwischen Fahrradgebrauch und Fahrradbesitz unterscheiden. Vielleicht stand auch Ersteres bei der Erhebung des Statistischen Bundesamtes mehr im Fokus, als es dem Saarland 2009 eine vergleichsweise niedrige Fahrraddichte attestierte.
Insgesamt gesehen spielte der ÖPNV bei der Befragung immer eine Rolle – aber keine herausragende. So benutzen laut eigenen Angaben bis zu einem Viertel der Angesprochenen öffentliche Nahverkehrsmittel für den Weg zur Arbeit, zu Freizeitaktivitäten oder zum Einkaufen. Für den Schulweg werden Busse und Bahnen erwartungsgemäß von mehr als einem Drittel der Schüler genutzt. Im Saarbrücker Stadtgebiet liegt der Anteil der ÖPNV-Nutzer deutlich über diesen Durchschnittszahlen.
Die Ursachen für die eher mäßige Nutzung sind vermutlich in der saarländischen Infrastruktur zu finden, wenn man die Umfrageergebnisse entsprechend bewertet. Während unter den Befragten die Stadt-Saarbrücker den öffentlichen Personenverkehr mehrheitlich mit "gut" oder "geht so" bewerten, halten zwei Drittel der ländlichen Saarländer den ÖPNV für "schlecht". Neben Kritikpunkten wie "schlechte Fahrpläne", "unpünktlich", "unflexibel", "unpraktisch", "zu wenig Busse", "überfüllte Busse" waren vor allem die Fahrpreise und schlecht koordinierte Fahrpläne Steine des Anstoßes – vor allem im ländlichen Bereich. Hieraus erklärt sich - neben anderen persönlichen Gründen - die starke Fokussierung auf das Auto in den eher ländlich geprägten Gebieten.
Nicht zuletzt spielt wohl auch die Entfernung zu alltäglichen Besorgungen eine nicht unerhebliche Rolle beim Mobilitätsverhalten. Während in Saarbrücken Stadt die Wege kurz sind, sieht die Sache auf dem Land teilweise dramatisch anders aus: lange Anfahrtswege zu Arbeit, Einkaufsmöglichkeiten, Schule und Freizeitaktivitäten erschweren vielen Saarländern die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel oder des Fahrrades für alltägliche Dinge – zumal dann, wenn der ÖPNV im Erleben der Betroffenen nicht richtig und den Bedürfnissen nicht angepasst abläuft.
Das Potential für ein umwelt- und klimaverträglicheres Mobilitätsverhalten ist im Saarland groß. Es geht nun darum, die Rahmenbedingungen und Angebote für die Nutzung von Fahrrad, Bus und Bahn weiter zu verbessern und auch landesweit intensiv für alternative Verkehrsmittel zu werben. Wenn es gelingt, die Mobilitätsangebote in den verschiedenen saarländischen Regionen den unterschiedlichen Mobilitätsbedürfnissen weiter anzupassen, gewinnen letztlich alle - die Saarländer, die Umwelt und die Lebensqualität.
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